Wer zu mir kommt ...

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... den werde ich nicht abweisen.

Jesus der Retter ist da

Das war ein regelrechter Volksauflauf, den Jesus da bewirkte. Die Leute sind ihm gefolgt, weil er Wunder machte und die Kranken heilte. Sie waren völlig aus dem Häuschen. Als sie begriffen hatten, was Jesus alles tun kann, riefen sie: "Das ist wirklich der Prophet, auf den wir so lange gewartet haben!" (Johannesevangelium 6,14). Endlich ist er da, der lang ersehnte Messias, der versprochene Retter, der uns Freiheit und Wohlergehen garantiert!

Zum krönenden Abschluss des Tages machte Jesus aus ein paar Broten und Fischen so viele, dass weit über 5‘000 Menschen satt wurden. Da versteht sich von selbst, dass die vielen Menschen, die da versammelt waren, diesen Moment, dieses Glück festhalten wollen. Was sie erlebt hatten, liess keine Zweifel mehr offen, und sie wollten mehr davon. Sie sagten sich: Komm, den machen wir zum König, dann fehlt es uns an nichts mehr, er sorgt für den Himmel auf Erden. Jesus unser Zauberkönig! Und Jesus? ... Jesus merkte, dass sie ihn jetzt unbedingt festhalten und zu ihrem König ausrufen wollten. (Vers 15)

Das Wort für festhalten kann man auch mit rauben übersetzen. Sie wollten Jesus für sich rauben, sie wollten ihn für ihre Interessen gebrauchen oder missbrauchen. Aber Jesus entzieht sich dem: Wer zu Jesus kommt, weil er ihn für seine Zwecke gebrauchen will, der kommt nicht wirklich an ihn heran. Unsere fixen Erwartungen, was Jesus für uns tun soll, schaffen Distanz zwischen uns und ihm. Jesus ist keine Zauberfee: Deshalb zog er sich in die Berge zurück; er ganz allein. (Vers 15)

Viele kommen

Doch schon am nächsten Tag war das Volk wieder früh auf den Beinen: Sie suchten Jesus. Endlich fanden sie ihn und bestürmten ihn mit Fragen, zum Beispiel: Welches ist dein nächstes Wunder? (Vers 30) Man könnte auch sagen: Mach uns glücklich. Erfülle unsere Wünsche. Beeindrucke uns! Und sicher tat Jesus auch Wunder, um den Menschen zu helfen und ihnen Linderung zu verschaffen. Die Zustände, die Jesus antraf, machten ihn sehr betroffen. Aber noch viel betroffener machte ihn die geistliche Not: Der fehlende Bezug zum lebendigen Gott, der Mangel an Gottvertrauen und Hoffnung.

Und so waren seine Wunder vor allem Zeichen. Jesus sagte damit: „Schaut mal, was ich tue, und jetzt überlegt euch, wieso ich solche Dinge tun kann und ihr nicht.“ Die Wunder sollten den Menschen helfen, die übernatürliche Realität, Gottes Gegenwart zu entdecken. Jesus wollte ihnen einen Lebensstil des Vertrauens auf den unsichtbaren, lebendigen Gott beibringen, der in ihm Mensch geworden war. Er wollte sie darauf aufmerksam machen, dass das Leben viel mehr ist als Essen und Trinken.

Viele gehen

Leider verstanden viele von denen, die zu Jesus kamen, nicht, was er beabsichtigte: Sie waren zu sehr im Natürlichen fixiert, und blieben im Diesseitigen hängen. So musste Jesus sagen: Trotz allem, was ihr an mir gesehen habt, glaubt ihr nicht. (Vers 36) Und dann redete er Dinge, die nur verstanden werden können, wenn man in Jesus mehr sucht als einen Zauberkönig: Esst mich, ich bin das Brot vom Himmel. (Vers 38 und 51) So stösst er bei vielen auf Unverständnis und Ablehnung. Alle die ihn in ihren Erwartungen festhalten und konservieren wollten, aber eben nicht bereit waren, sich wirklich auf ihn einzulassen, dachten: Der spinnt, wir sind doch keine Kannibalen!

Wir lesen wie seine Zuhörer murrten (Verse 41 und 43), stritten(Vers 52), selbst die Jünger fanden gewisse Aussagen von Jesus hart und unerträglich und ärgerten sich darüber (Verse 60-61). Viele kehrten ihm den Rücken (Vers 66), weil Jesus nicht dem entspricht, was sie erwartet hatten. Sie waren gekommen, um wieder zu gehen.

Wer bleibt?

Und in diese Situation hinein sagt Jesus den Satz, der auch die Jahreslosung für das Jahr 2022 ist: Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Wir sehen in diesem Vers ein dreifaches Handeln: Es ist ein Handeln Gottes, der Vater, der gibt. Es ist unser Handeln, wir kommen. Und dann Jesus, der uns nicht abweist.

Das Ziehen des Vaters

Das Geben des Vaters in Vers 37 wird in Vers 44 zum Ziehen: Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater ihn zieht. Kein Mensch findet von sich aus Geschmack an Jesus. Der natürliche Mensch ist zu stolz. Es fällt uns viel einfacher, dem Ziehen, des Egos nachzugeben. Wir wollen selber bestimmen, wir haben Freude am „Mein Wille geschehe“ und finden „Dein Wille geschehe“ ätzend. Einem andern dienen? Sich unterordnen? Sich verleugnen? Da reichen 10 Pferde nicht ... deshalb braucht es göttliches Ziehen.

Wie tut er das? Wie zieht der himmlische Vater Sie zu Jesus, lieber Leser, liebe Leserin? Das göttliche Ziehen kann eine Sehnsucht nach mehr sein: War das schon alles im Leben? Oder eine wichtige Frage, die immer wieder auftaucht: Wozu bin ich eigentlich hier? Das göttliche Ziehen kann ein Gefühl des Mangels sein, eine Unzufriedenheit mit sich selbst oder mit dem eigenen Leben. Träume, Wunder, Schicksalsschläge, Nöte, die uns auf etwas aufmerksam machen, können göttliches Ziehen sein.

Mein Kommen

Unsere Antwort auf dieses Ziehen ist immer unser Kommen, wir kommen zu Jesus. Aber kommen ist nicht gleich kommen. Wir sehen das an der Volksmenge, die zu Jesus gekommen ist. Israel hat den Superstar gefunden, doch die wenigsten verstehen, worum es wirklich geht. Und es ist klar, dass unter denen, die da kopfschüttelnd von Jesus weggingen, auch ganz viele fromme Leute waren, die sehnsüchtig auf den Messias gewartet hatten. Doch sie blieben in ihren Erwartungen hängen, statt sich für das zu Öffnen, was Jesus ihnen geben wollte.

Zu Jesus kommen heisst zuerst einmal, zum Kreuz kommen: Zu wissen, dass Jesus für mich gestorben ist, und damit Frieden gemacht hat zwischen mir und Gott; zu verstehen, dass das für mich ganz persönlich gilt. Das ist nicht einfach eine allgemeine schöne theologische Wahrheit, die man wissen kann, sondern das ist eine unsichtbare Realität, die uns durchdringt, wenn wir sie erfasst haben: Wenn ich zu Jesus komme, um meine Sünden zu bekennen und um Vergebung zu bitten, dann erlebe ich Befreiung von Schuld und einem schlechten Gewissen.

Zu Jesus kommen heisst aber noch mehr. Es heisst, ihn zu essen. „Esst mich.“ Wenn wir Geschmack am Heiland finden, dann findet ein anderes Kommen zu Jesus statt. Das richtige Kommen hat etwas mit Hunger zu tun. Jesus ist nicht das Sahnehäubchen auf unser schönes Leben. Wer mit dieser Haltung zu Jesus kommt, der wird nie richtig herausfinden, was Jesus für ihn bereit hat. Das Leben, das Jesus anbietet, ist nicht ein Zusatz zu all den Annehmlichkeiten des Lebens. Jesus ist die absolute und viel bessere Alternative. Das muss uns klar sein, wenn wir zu Jesus kommen.

Wie sieht Ihr Kommen aus? Mit welcher Haltung kommen Sie zu Jesus? Mit Heisshunger? Vielleicht sagen Sie sich: Ich gehe jede Woche in die Kirche! Das ist zuerst einmal ein äusseres Kommen. Die ganze Volksmenge, die damals um Jesus herumstand, ist äusserlich gekommen. Das äusserliche Kommen ist ein Anfang, aber das eigentliche Kommen ist ein inneres Kommen: der Wunsch, Jesus wirklich zu begegnen, mit ihm zu leben, und: ihn zum Massstab des Lebens zu machen, so zu leben, wie es ihm gefällt.

Angekommen - angenommen

Wir können immer zu Jesus kommen, mit allen Bedürfnissen und Anliegen. Jesus wird uns auch in diesem Jahr begleiten. Er hat immer ein offenes Ohr für uns, und er wird auch im Jahr 2022 Gebete erhören. Aber noch wichtiger ist, dass Sie Jesus Ihr ganzes Leben anvertrauen, ganz bei ihm ankommen. Er wartet darauf. Er ist für Sie da. Auf dem Bild zur Jahreslosung ist Er in einer Alphütte, dahin führt ein steiler, schmaler Pfad. Manchmal braucht es den Willen eines Bergsteigers, um sich wirklich darauf einzulassen, wirklich zu Jesus zu kommen. Aber es lohnt sich, denn da oben wartet die ewig erfüllende Gemeinschaft mit Gott, der in Jesu zu Ihnen sagt: "Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen."

Pfarrer Josef Birrer, Januar 2022

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